Selbsthilfegruppen

Die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe ist ein Weg, um die sexualisierte Gewalterfahrung zu bearbeiten. Selbsthilfegruppenarbeit ist ein eigenständiges Mittel der Bearbeitung.

Die Selbsthilfegruppen bei Tauwetter stehen allen Männern* sowie trans*, inter* und nicht-binären Erwachsenen offen, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Manchmal starten wir auch spezifische Selbsthilfegruppen für bestimmte Personenkreise, zum Beispiel nur für TIN*. Sprich uns bei Bedarf gerne an.

Meist arbeiten die Gruppen auf Deutsch, manchmal auch auf Englisch.

Die Gruppen bestehen in der Regel aus 6–12 Teilnehmenden. Es sind geschlossene Gruppen. Das heißt, nach dem Start kommen keine neuen Leute mehr dazu, damit sich Vertrauen bilden kann.

Die Gruppen treffen sich einmal wöchentlich, an einem festen Abend unter der Woche für zwei Stunden.

Jede Gruppe wird bei den ersten Treffen von 2 Personen aus unserem Team begleitet. Dann arbeiten die Gruppen eigenständig weiter. Bei Fragen oder Problemen sind wir aus dem Tauwetter-Team weiterhin ansprechbar.

Wir führen mit allen Teilnehmende ein Vorgespräch. In diesem Rahmen kann über alle Fragen oder Unsicherheiten gesprochen werden. Wenn du Interesse hast, nimm gern Kontakt zu uns auf.

FAQ:

Die Mitarbeitenden von Tauwetter unterstützen die Gruppe in der Startphase. Das heißt, wir sind bei den ersten 3–4 Treffen mit dabei. Danach arbeitet die Gruppe selbstständig und selbstbestimmt weiter, ohne Anleitung. Bei Problemen oder Konflikten können aber immer Mitarbeitende von Tauwetter zur Unterstützung in die Gruppe eingeladen werden. Ob das notwendig ist und was ihr von uns braucht, entscheidet die Gruppe selbst.

Darüber hinaus können sich auch einzelne Teilnehmende der Gruppen von Mitarbeitenden von Tauwetter beraten lassen – zum Beispiel, um schwierige Situationen aus der Gruppe zu besprechen oder weil bestimmte Themen einen Extra-Raum benötigen.

In unregelmäßigen Abständen starten wir Gruppen für TIN*. Wenn du Interesse hast, kontaktiere uns gerne.

Du musst keine konkreten Erinnerungen haben, um teilnehmen zu können. Nicht alle Betroffenen haben solche Erinnerungen. Wenn du vermutest, dass du betroffen bist und dies für dich weiter klären möchtest, bist du hier richtig. Die Gruppe ist für Betroffene von sexualisierter Gewalt und für diejenigen, die das vermuten.

Jede Form sexualisierter Gewalt ist schlimm. Das kann nicht von außen verglichen oder bewertet werden. Du hast ein Recht auf einen Ort, an dem du dich damit auseinandersetzen kannst. Um an einer Gruppe teilzunehmen, ist lediglich wichtig, dass es für dich der passende Rahmen zur Bearbeitung ist.

Das entscheidet ihr selbst. Niemand muss Details über das Gewaltgeschehen erzählen.

Es ist aber möglich, wenn alle dies wollen. Ihr besprecht gemeinsam in der Gruppe, was und auf welche Art ihr eure Erlebnisse teilen möchtet.

Nein. Die Auseinandersetzungen, die in Selbsthilfegruppen stattfinden, stellen eine eigene Form der Bearbeitung dar. Niemand muss zusätzlich zur Selbsthilfegruppe zur Therapie gehen.

Nein. Eine Anzeige ist keine Voraussetzung für die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe. Manche Betroffene haben angezeigt, manchen zeigen parallel zur Selbsthilfegruppe an, für manche kommt eine Anzeige auch in Zukunft nicht in Frage. Ob jemand eine Anzeige anstrebt oder nicht, entscheidet jede Person für sich selbst. Selbstverständlich kann das ein Thema in der Gruppe sein. Sich mit anderen Betroffenen über die Frage, ob eine Anzeige in Frage kommt oder nicht, auszutauschen, kann zu mehr Klarheit führen. Aber niemand darf zu einer Entscheidung gedrängt werden. Weder für noch gegen eine Anzeige.

Die Erfahrung von vielen Selbsthilfegruppen – sowohl bei Tauwetter als auch in anderen Orten – zeigt, dass Betroffene sehr gut auch ohne Anleitung miteinander arbeiten können. Dazu gehört auch, dass sie erfahrungsgemäß den Prozess und die Gruppengestaltung sehr gut ohne Anleitung organisieren können.

Es kann sein, dass uns die Erzählungen von anderen berühren oder aufwühlen. Es kann auch sein, dass sie Erinnerungen an eigene – vielleicht vergessene – Erlebnisse wachrufen. Jetzt ist die Frage, ob das vielleicht gewollt ist, denn manche Betroffenen wollen mehr über sich und ihre Geschichte wissen und haben so einen Weg gefunden, in einer Gemeinschaft mehr Erinnerungen zuzulassen.

Es ist immer gut, zu kommunizieren, was du in so einer Situation brauchst oder es gemeinsam in der Gruppe zu lernen.

Triggern in dem Sinne, dass die ganze Gruppe sich gegenseitig in Flashbacks stürzt, ist in den 30 Jahren Erfahrung nicht ein einziges Mal vorgekommen.

Insbesondere in Männer*-Gruppen gibt es diese Befürchtung immer wieder. Durch die klaren Regeln, die zu jedem Gruppenstart ausgehandelt werden, ist das Gewaltrisiko stark minimiert. Wenn sich dennoch jemand in einer Gruppe bedroht fühlt oder Gewalt erfährt, stehen die Mitarbeitenden von Tauwetter der betroffenen Person zur Seite. Eine Garantie gibt es natürlich nie. Auch Selbsthilfegruppen sind einfach Gruppen, in denen Menschen aufeinandertreffen.

Ja, jede*r hat das Recht, anonym zu bleiben. Keine*r muss die eigene Telefonnummer herausgeben, die Adresse oder den richtigen Namen nennen. Die Gruppe baut sich Kommunikationswege auf – zum Beispiel für den Fall, dass jemand nicht kommen kann –, die allen Teilnehmenden die gewünschte Anonymität ermöglichen.

Zum Gruppenstart kann jede*r einen Namen wählen, mit dem er*sie in der Gruppe angesprochen werden will. Es gibt also immer Wege, in der Gruppe anonym zu bleiben.

Nein, das sollte nicht passieren. Jede*r versucht zu sagen, wie es ihm*ihr geht beziehungsweise wie er*sie sich fühlt. Die anderen unterlassen Bewertungen und Zuschreibungen. Die Gruppenregeln unterstützen euch dabei, dies auch einzuhalten.

Als Grund, um in eine Gruppe zu gehen, nicht. Manche Gruppen wollen explizit keine weiteren Kontakte untereinander über das Gruppentreffen hinaus. Im Laufe der Zeit können in den Gruppen Freundschaften entstehen, aber der Fokus liegt auf der gemeinsamen Arbeit.

Die Selbsthilfegruppen bei Tauwetter haben ein anderes Konzept.

Bei Tauwetter wird Wert auf Verbindlichkeit und die Beziehungen der Teilnehmenden untereinander gelegt. Die Gruppen sind deshalb geschlossen, sodass sich unter ihren Mitgliedern Vertrauen aufbauen kann.

Bei den Tauwetter-Selbsthilfegruppen bestimmen die Teilnehmenden selbst, was die Inhalte und Herangehensweisen an die Themen sind, es gibt keine vorgefertigten Themen oder Schritte, die abgearbeitet werden.

Selbsthilfegruppen bestehen nur aus Betroffenen und es gibt keinerlei formale Hierarchien zwischen den Teilnehmenden. Viele Teilnehmende in Selbsthilfegruppen erleben es als positiv, dass die Gruppen nicht hierarchisch sind. Das bedeutet auch, dass Selbsthilfegruppen im Gegensatz zu therapeutischen Gruppen nicht angeleitet sind. Die Betroffenen gestalten die Gruppe selbstbestimmt.

Zudem ist die Selbsthilfegruppen nicht der Raum für einen psychologischen/diagnostischen Blick auf Betroffene.

Die Gruppen starten in unregelmäßigen Abständen, aber in der Regel jedes halbe Jahr. Bei Interesse kannst du dich gerne bei uns melden.

Bei den meisten Gruppen finden vor Ort, in den Räumen von Tauwetter, statt.

In unregelmäßigen Abständen starten wir Gruppen, bei denen es möglich ist, sich online dazuzuschalten – der Raum bei Tauwetter steht dann aber trotzdem zur Verfügung. Bei diesen Gruppen ist es aber wichtig, dass ihr in der Startphase vor Ort seid, also bei den ersten 3–5 Treffen.

Manche Gruppen einigen sich nach einer gewissen Zeit der gemeinsamen Arbeit darauf, dass sich Einzelne aus der Gruppe auch online dazuschalten können. Das entscheidet die Gruppe dann gemeinsam.

Ganz entschieden, nein! Die Gruppe ist ausschließlich für Betroffene und soll auch nur für Betroffene sein. Auch wenn jemand Täter(*in) ist und zusätzlich selbst sexualisierte Gewalt erlebt hat, ist kein Platz für diese Person in der Gruppe.