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Anlaufstelle, für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren

© 2015 Tauwetter e.V.

 Montag, 06. Juni 2016

MitSprache - Kongress von Betroffenen für Betroffene von sexualisierter Gewalt und Unterstützer_innen

"Der Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs veranstaltet am 18./19. November 2016 in der Universität der Künste und der Technischen Universität Berlin einen Kongress von Betroffenen für Betroffene von sexualisierter Gewalt und Unterstützer_innen.

Wir wollen Räume zum direkten Austausch mit allen Teilnehmer_innen öffnen, in denen wir diskutieren, Wissen austauschen, uns vernetzen, aber auch Raum für kreative Ideen und Darbietungen geben.

Eine Vielfalt von Themen werden wir aus Betroffenensicht diskutieren. Schutz, Hilfen, Aufarbeitung und rechtliche Fragen bei sexualisierter Gewalt sind wichtige Schwerpunkte. Gemeinsam wollen wir in Workshops politische Entscheidungen und Prozesse beleuchten.

Geplante Themenbausteine sind:

  • ergänzendes Hilfesystem
  • Reform des Opferentschädigungsgesetzes
  • weitere rechtliche Fragen
  • Beratungs- und Therapieangebote
  • Aufarbeitung
  • betroffenenkontrollierter Ansatz und Partizipation in der Forschung
  • Zusammenhang von Professionalität und Betroffenheit
  • Vernetzung von Betroffenen und internationale Zusammenarbeit
  • Betroffenheit von trans*- und inter*geschlechtlichen Menschen
  • sexualisierte Gewalt aus direkter und gehörlosenkultureller Sicht"

"Auf der Website des Unabhängigen Beauftragten unter https://beauftragter-missbrauch.de/betroffenenrat/der-betroffenenrat/
sowie auf der Facebook-Seite unter https://www.facebook.com/Betroffenenrat-UBSKM-943111605779215/ werden wir über den Stand der Planungen, Möglichkeiten der Mitwirkung sowie Anmeldemodalitäten informieren.

Die Teilnahme am Kongress ist kostenfrei; wir bitten um einen Verpflegungsbeitrag nach Selbsteinschätzung.

Der Betroffenenrat
Fachgremium beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs"

Mittwoch, 16. März 2016

Antragsfrist für Fonds sexueller Missbrauch wird verlängert!

Gestern (15.3.2016) war der Jahresempfang des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Rörig. Dort hat Staatssekretär Ralf Kleindiek aus dem Bundefamilienministerium zugesagt, dass auch nach dem 30.4.2016 Anträge von Betroffenen für den Fond sexueller Missbrauch entgegengenommen werden. Wenn dafür zusätzliches Geld notwendig ist, wird er sich dafür einsetzen, dass dies zur Verfügung gestellt wird. Des Weiteren sagte er, er setze sich für eine vernünftige Übergangslösung bis zur Reform des Opferentschädigungsgesetztes ein.

Offensichtlich gibt es noch kein klares Konzept, wie das aussehen soll. Es müssen dann z.B. auch die Fristen verlängert werden, bis wann abgerechnet werden muss (zur Zeit Dezember 2017). Auch ist nicht klar, ob dann eventuell irgendetwas anderes noch geändert werden wird. Wir empfehlen deshalb allen, die sexualisierte Gewalt in der Familie oder im unmittelbaren Umfeld erlebt haben, bis zum 30.4. einen Antrag an den Fonds sexueller Missbrauch zu stellen. Erst wenn klar ist, wie die neue Regelung aussehen wird, ändert sich das eventuell.

Anträge an den zweiten Teil des Ergänzenden Hilfesystems – das ist der institutionelle Bereich, in dem diejenigen Anträge stellen können, die in Institutionen sexualisierte Gewalt erfahren haben – werden bis zum 31.8.2016 von der Geschäftsstelle entgegen genommen. Ob es hier auch eine Änderung gibt, bleibt abzuwarten. Anträge können nur dann bewilligt werden, wenn der Träger der Einrichtung, in der die sexualisierte Gewalt geschehen ist, dem EHS beigetreten ist. Das sind bisher die beiden Kirchen mit ihren Wohlfahrtverbänden, das rote Kreuz, der Deutsche Kinderschutzbund, der Deutsche Olympische Sportbund und acht Bundesländer für die Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft (u.a. Berlin).

Mehr Informationen finden sich auf der Website des Ergänzenden Hilfesystems www.fonds-missbrauch.de. Dort finden sich auch die Adressen von Beratungsstellen, im gesamten Bundesgebiet. Gerüchte, dass nur Tauwetter und Wildwasser beraten stimmen nicht. Bitte nutzt auch die anderen Fachberatungstellen, deren Adressen über die Karte rechts auf der Startseite des EHS zu finden sind.

Für Anträge die das Land Berlin betreffen gibt es die Berliner EHS-Beratung.

Die Bearbeitungsdauer bis ein Bescheid kommt, beträgt aktuell über ein Jahr. Es steht zu befürchten, dass sie demnächst auf 1,5 Jahre steigt, weil sehr viele Anträge gestellt werden.

Mittwoch, 27. Januar 2016

Broschüre gegen den Mythos vom "übergriffigen Fremden"

Die Fachstelle Gender und Rechtsextremismus der Amadeu-Antonio-Stiftung hat eine Broschüre herausgegeben, in der sie der Funktionalisierung des Themas sexualisierte Gewalt u.a. nach den Ereignissen in Köln und den weit verbreiteten Lügen rechtsextremer, völkischer oder nationalistischer Gruppen die Fakten gegenüber stellt. Eine Debatte, die sich darauf konzentriert, welche Täter (über Täterinnen spricht in diesem Kontext niemand) welches Geburtsland gehabt haben, lenkt von den realen Ursachen sexualisierter Gewalt ab und trägt so zu ihrer Weiterverbreitung bei. 

Die Broschüre ist über die Website des Unabhängigen Beauftragten gegen sexuellen Kindesmissbrauch zu beziehen.

Dienstag, 26. Januar 2016

Unabhängiger Beauftragter beruft Aufarbeitungskommission

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs Johannes Rörig, hat die Mitglieder der lange diskutierten und zu lange verzögerten unabhängigen Aufarbeitungskommission benannt. Es sind:

  • Prof. Dr. Sabine Andresen, Erziehungswissenschaftlerin , Vorsitzende der Kommission
  • Dr. Christine Bergmann, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend a. D.
  • Prof. Dr. Jens Brachmann, Bildungshistoriker
  • Prof. Dr. Peer Bricken, Psychiater und Psychotherapeut
  • Prof. Dr. Barbara Kavemann, Sozialwissenschaftlerin
  • Prof. Dr. Heiner Keupp, Sozialpsychologe
  • Brigitte Tilmann, Präsidentin des Oberlandgerichts Frankfurt/M. a. D.

Des Weiteren werden als ständige Gäste zwei Mitglieder des Betroffenenrates beim UBSKM sowie das Büro des UBSKM dabei sein.

Als Ziele wurden in einer Pressemitteilung benannt:

  • Betroffenen das Sprechen ermöglichen, jenseits der Gerichtssäle und Therapieräume
  • Dimension der sexuellen Gewalt gegen Kinder und Jugendliche aufzeigen
  • durch Anhörungen erlittenes Unrecht anerkennen und Genugtuung geben
  • breite gesellschaftliche Debatte über besseren Kinderschutz anstoßen

Und die konkreten Aufgaben sollen sein:

  • Missbrauch in Institutionen und im familiären Kontext in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR untersuchen
  • Strukturen aufdecken, die Missbrauch in der Vergangenheit ermöglicht und Aufarbeitung verhindert haben
  • Forschungsbedarf identifizieren
  • Eckpunkte einer gelingenden Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch modellhaft für Einrichtungen und Organisationen entwickeln

Leider ist die Kommission auf 3 Jahre bis März 2019 begrenzt und verfügt nur über beschränkte Mittel, die kaum ausreichen werden, um Aufträge zu vergeben, damit einzelne Fragen genauer beleuchtet werden können. So wird z.B. maximal eine begrenzte Untersuchung über die Zusammenhänge zwischen patriarchalen Konstruktionen von Geschlechtern, vorherrschenden Familienbilder und -konzepten und sexualisierter Gewalt möglich sein. Das wäre zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Familien aber ein genauso wichtiger Baustein, wie innerhalb der katholischen Kirche die Frage nach Zusammenhängen zwischen der katholischen "Ideologie" und sexualisierter Gewalt. Aufarbeitung muss bedeuten über eine reine Auflistung von Fakten hinaus zu gehen. Das wird eine der schwierigeren Aufgaben der Kommission.

Hoffen wir, dass die Aufarbeitungskommission trotz dieser Rahmenbedingungen erfolgreich arbeiten kann.

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