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Anlaufstelle, für Männer*, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren

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Montag, 02. Juli 2018

Tauwetter Rede auf der Prideparade

Auf der Prideparade am 23.06. habe wir eine Rede gehalten, die wir hier mit euch teilen möchten:

Hallo zusammen,

wir freuen uns, dass ihr so zahlreich hier seid. Wir, das sind zwei Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren. Sexualisierte Gewalt ist, wenn ein Mensch dich gegen deinen Willen sexuell anfässt. Oder Dinge zu dir sagt oder Dinge mit dir tut, die sexuell aussehen und die du nicht möchtest.

Vielleicht wundert ihr euch jetzt warum hier zwei betroffene Männer sprechen. Es erfahren doch viel mehr Frauen sexualisierter Gewalt. Die Frage lässt sich ganz leicht beantworten: wir sind zu spät aufgewacht und haben es dann nicht mehr geschafft ein Bündnis mit anderen Betroffenen hin zu kriegen. Vor allem nicht mit dem ganzen anderen Kram der zu tun ist.

Aber warum sind wir überhaupt hier? Es kotzt uns an, dass wir im Jahr 2018 immer noch den gleichen Scheiß erleben. Diagnosen, Vorurteile, Behinderungen und kein Mensch fragt, wer hier eigentlich wen behindert. Menschen die erzählen, dass sie sexualisierte Gewalt erfahren haben, wird immer noch unterstellt „krank“ oder „traumatisiert“ zu sein. Uns wird vorgeschrieben, wann und wo und wie wir über sexualisierte Gewalt reden dürfen: Entweder in den Medien in traurigen Geschichten als ewig leidendes Opfer. Oder hinter geschlossenen Türen in Therapien, wo wir möglichst schnell fit gemacht werden sollen. Denn wir sollen in dieser Gesellschaft funktionieren und uns nicht (gegen sie) wehren. Arbeitsfähigkeit und Anpassung als oberstes Ziel.

Bitte bloß nichts von gesellschaftlichen Ursachen erzählen. Angeblich sind alles persönliche bedauernswerte Schicksale. Und wenn Du dich da nicht einfügst, wirst du ausgegrenzt und ausgeschlossen.

Wohin sowas führt zeigt uns das Beispiel Bayern: Da hat die CSU ein neues Polizeigesetz durchgesetzt. Und in dem hat ursprünglich gestanden, dass Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose von der Polizei in den Knast gesteckt werden können. Das ist erst in letzter Sekunde geändert worden.

Wer bitte sehr ist davor sicher, eine psychiatrische Diagnose (aufgedrückt) zu bekommen? Die meisten Betroffenen sexualisierter Gewalt haben eine Diagnose. Die wird nämlich ausgestellt, wenn Du eine Therapie machen willst.

Und dass Du damit von bestimmten Versicherungen ausgeschlossen wirst, bekommst Du auch nicht gesagt.

Normierung, Ausgrenzung und Stigmatisierung gehen Hand in Hand.

Wir können dazu nur eins sagen: Diagnostiziert euch doch selber!

Wir sind nicht bereit uns euren absurden Vorstellungen zu unterwerfen. Wir sind nicht bereit, uns mundtot machen zu lassen!

Wir feiern dieses Jahr zum fünften Mal gemeinsam und irgendwann wird unsere Party diesen diagnostischen Mist wegfegen!

Wir nehmen uns die Straße, wir sind leise und laut, solidarisch und proud!

Zusammen sind wir unausstehlich!

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